Ich sterbe lieber hier auf der Straße, als dass ich zurück in mein Land gehe

Okt 24, 2021

Ich arbeite gerade an einer Reportage über die Menschen aus Sierra Leone, welche seit mehr als einer Woche Tag und Nacht auf der Straße ausharren, um auf Ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Ich höre ihre Geschichten und sehe die Verzweiflung. Diese Menschen sind wahrlich nicht hier um Urlaub zu machen, sie wollen Leben und sie kämpfen um ihr Leben und wir ignorieren sie… 

In der Hoffmann Straße 51 vor der Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber, campieren seit dieser Woche Montag Flüchtlinge aus Sierra Leone, welche gegen die drohende Abschiebung protestieren. Hintergrund ist, dass eine Delegation aus Sierra Leone eingetroffen ist welche die Menschen aufgrund ihrer Sprache und Aussehen identifizieren sollen. Es sollen Dokumente ausgestellt werden welche Ihnen einerseits erlauben könnten in Deutschland eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten, die andererseits aber das große Risiko bergen, dass sie dadurch in ihr Heimatland abgeschoben werden. 

Ein Teilnehmer berichtet, dass die afrikanische Regierung dies vor allem deshalb machen würde, da sie für jeden zurück geführten Flüchtling aus Deutschland Geld bekämme. 

Die Menschen zeigen uns Videos und Fotos aus ihrem Heimatland. Darauf sind Blut überströmt Menschen zu sehen die von der Polizei auf der Straße niedergeschlagen werden. Videos von Menschen die sich aus Verzweiflung das Leben nehmen indem sie sich erhängten. Es sind verstörende Bilder die wir zu sehen bekommen.

Sierra Leone gilt offiziell als sicheres Herkunftsland. Die Bilder und die Geschichten die wir hören, lassen aber etwas anderes vermuten. 

Die Menschen hier haben Angst. Sie leben hier schon seit vielen Jahren, viele sind hier zur Schule gegangen und haben eine Ausbildung gemacht. Jetzt würden sie gerne Arbeiten und Steuernzahlen und ihren Beitrag  zur Gesellschaft leisten, allein ohne Papiere dürfen sie nicht arbeiten und mit Papieren droht ihnen, davon sind hier alle überzeugt die Abschiebung.

Sie sind nicht geflüchtet, weil sie sich ein besseres Leben erwartet haben, sie sind geflüchtet, weil sie am Leben bleiben wollten. Sollten sie zurück nach Sierra Leone gebracht werden, drohe ihnen dort die sofortige Inhaftierung mit Folter und mit ziemlicher Sicherheit der Tot.

„Ich sterbe lieber hier auf der Straße, als dass ich zurück in mein Land gehe  erzählt mir Issa, 30 Jahre. Er lebt seit 2018 in Deutschland, er ist verzweifelt. Er hat  eine Familie, seine Kinder sind hier geboren und er hat große Angst, dass auch sie nach Sierra Leone abgeschoben werden, einem Land dessen Gebräuche sie nicht kennen, dessen Sprache sie nicht sprechen und in dem sie möglicherweise nicht Überleben werden.

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