
Die Verschlusszeit – auch Belichtungszeit genannt – gibt an wie lange der Verschluss der Kamera geöffnet ist und Licht auf den Sensor fällt. Sie wird in Sekunden oder Sekundenbruchteilen angegeben: 1/60, 1/500, 1/3200 – oder bei Langzeitbelichtungen auch 2", 13", 30". Eingestellt wird sie im Tv- oder S-Modus der Kamera (Time Value / Shutter Priority), wo man die Zeit vorgibt und die Kamera die passende Blende wählt.
Was die Verschlusszeit bewirkt ist schnell erklärt: eine hohe Verschlusszeit – also kurze Belichtung wie 1/1000 Sekunde – friert Bewegung ein. Eine langsame Verschlusszeit – also lange Belichtung wie 1 Sekunde oder mehr – macht Bewegung sichtbar als Unschärfe oder Wischeffekt.
Im Artikel "Richtig Belichten" habe ich die Abhängigkeit von Zeit, Blende und ISO erklärt. In den meisten Fällen ist zu wenig Licht das Problem. Wenn es Finster wird, muss entweder der ISO-Wert höher gestellt, die Blende weiter geöffnet oder die Verschlusszeit verlängert werden. Egal an welchem Rad gedreht wird, es hat am Ende immer Auswirkungen auf das Ergebnis.
Am deutlichsten wird der Einfluss der Belichtungszeit sichtbar, wenn die Zeit zu lange war und die Aufnahme verwackelt ist (und ja das passiert mir immer noch im Eifer des Gefechtes).
Es gibt eine Faustregel, wann man noch ein Bild verwacklungsfrei hinbekommen kann. Es ist eine sehr grobe Regel und auch Abhängig davon, wieviel Kaffee der Fotograf vorher getrunken hat.
1/Brennweite
Fotografiere ich mit einem Weitwinkelobjektiv z.B. 35mm, dann sollte ich in der Lage sein 1/30 Sekunde aus der Hand zu belichten. Wie gesagt das ist wirklich nur ein grober Richtwert. Verwende ich ein Teleobjektiv von 200mm, dann wird es bei Zeiten länger als 1/250 Sekunde schon kritisch.
Moderne Kameras und auch Objektive haben mittlerweile einen Bildstabilisator eingebaut. Dieser kann oft noch mal einige Blendenstufen rausholen, tanzen sollte man aber trotzdem nicht bei der Aufnahme - oder vielleicht doch?
Ein unscharfes Bild, weil sich die Kamera bewegt hat, muss nicht gleichbedeutend sein mit einem schlechten Bild. Wenn man mit der Kamera ein Objekt verfolgt und dabei auslöst, kann man sehr dynamische Ergebnisse erzielen. Der Radfahrer scheint nur deshalb so schnell zu fahren, weil der Hintergrund durch die Bewegung der Kamera eine Unschärfe hat.
Diese Technik hat sogar einen eigenen Namen: Panning. Das Prinzip ist einfach – die Kamera folgt dem Motiv während des Auslösens. Das Ergebnis ist ein scharfes Hauptmotiv vor einem dynamisch verwischten Hintergrund. Gelingt nicht beim ersten Versuch. Aber wenn es klappt, sieht man es sofort.
Stellt man die Kamera auf ein Stativ und wählt eine lange Belichtungszeit, dann ergeben sich ebenfalls spannende Bilder. Wasser, das bei kurzer Belichtung sehr unruhig wirkt, wird bei einer langen Belichtungszeit plötzlich ganz sanft und weich. Andere Motivideen sind Autos in der Nacht, Wolken aber auch große Menschenmengen auf einem belebten Platz.
Aber auch sehr kurze Verschlusszeiten haben ihren Reiz, so werden plötzlich Szenen sichtbar, die für unser Auge meistens viel zu schnell vorbei gehen.
Die Verschlusszeit ist das einzige Werkzeug in der Fotografie, das Zeit sichtbar macht. Kurze Zeiten frieren einen Moment ein den kein Auge so gesehen hat. Lange Zeiten verwandeln Bewegung in Stimmung. Beides ist richtig. Es kommt darauf an, was man zeigen will.
Wer anfängt bewusst mit der Verschlusszeit zu arbeiten, schaut die Welt irgendwann anders an. Ein Wasserfall wird zur Frage: weich oder wild? Ein vorbeifahrendes Auto zur Einladung: einfrieren oder mitziehen?
Die Kamera entscheidet das nicht, das machst besser Du selbst.





