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IAA Polizeikessel – Verdacht auf Schwarzfahren

Sep 22, 2021

Sandra S (24) wird von Beamt:innen bedrängt und bekommt eine Panikattacke. Die Polizei kesselt am Mittwoch Abend ca. 30 vorwiegend junge Menschen im Odeonsplatz Zwischengeschoss. Offizieller Grund ist nach Angabe eines verantwortlichen Polizeibeamten der Verdacht auf Schwarzfahren (!)

 

Mittwoch, 8. September 2021. Seit gestern hat in München die IAA geöffnet und es gibt nicht nur positives Feedback auf die Autoschau. Viele Gruppen und Verbände haben Proteste angekündigt. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. Laut dem bayerischen Innenminister Hermann soll es der größte Polizeieinsatz seit 20 Jahren werden. Die Autokonzerne sind nervös, sie wollen keine unschönen Bilder, sie wollen sich ihr grünes Idyll nicht von einem „linksextremen und linksautonomen Milieu“ vermiesen lassen.
Von einem extremen Milieu ist an diesem Mittwoch Abend nichts zu sehen, wohl aber von einem bunten Haufen meist junger Menschen, die sich auf den Weg in die Innenstadt machen. Sie wollen sich am Odeonsplatz treffen und die Open Spaces besuchen. Doch noch bevor eine einzige Person die Oberfläche erreicht, wird die Polizei aktiv.
Augenscheinlich dürften sich die wenigsten Menschen in der Gruppe für einen neuen Mercedes interessieren, dass dies aber schon als Auslöser genügt um Menschen am Ende der Rolltreppe einzukesseln, ist doch sehr bedenklich.
Die Gruppe wird zusammengedrängt und mehr als 1,5 Std. festgehalten. Nach und nach werden Personen abgeführt und erkennungsdienstlich behandelt. Abstandhalten wegen Corona ist nicht möglich.

Sandra S. 24 Jahre berichtet wie sie den Einsatz erlebt hat: „Ich wurde grundlos vollständig durchsucht, von Polizisten angeschrien und es wurden persönliche Gegenstände einbehalten. Die Situation sowie der enge Kreis aus Polizisten lösten bei mir eine Panikattacke aus, die Einnahme von Medikamenten oder die Nutzung meines Asthmasprays wurden mir jedoch zunächst verweigert, mit der Begründung, dass dies nur unter ärztlicher Aufsicht erlaubt sei.

Auf Nachfrage bei dem leitenden Beamten Herrn Kasper, wurde mir mitgeteilt, der Grund der Maßnahme wäre der Verdacht auf ‚Erschleichen von Leistungen‘, sprich Schwarzfahren. „Bei einer Einzelbefragung wurde Verdacht auf Schwarzfahren geäußert, obwohl ich im Besitz einer gültigen Fahrkarte war, welche ich die ganze Zeit vorgezeigt habe“ berichtet Sandra S.

Sandra wurde in Handschellen auf das Polizeipräsidium in der Ettstraße gebracht, sie durfte dort weder Telefonieren, noch auf die Toilette. Um 1:00 Uhr in der Nacht durfte sie endlich nach Hause.

 

 

Was noch nicht erwähnt wurde. Sandra war ursprünglich gar nicht Teil der gekesselten Gruppe, sie stand außerhalb und wollte ihre Schwester holen. Ich hatte mich kurz davor noch mit ihr unterhalten. Ein Beamter meinte, sie könne ja rein kommen um mit ihr zu sprechen…