Belichtung – die Abhängigkeit von Blende, Zeit und ISO Wert

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Belichtung – die Abhängigkeit von Blende, Zeit und ISO Wert

Mrz 2, 2021 | 0 Kommentare

Belichtung – der Weg des Lichts

Damit in der Kamera ein Bild entstehen kann sind immer drei Faktoren beteiligt. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um eine professionelle Spiegelreflexkamera (DSLR) handelt, einer einfachen Kompaktkamera oder gar einem Smartphone. Licht ist das was wir mit der Kamera aufnehmen. Genau wie beim menschlichen Auge können wir nur dann ein Bild wahrnehmen, wenn Licht wohldosiert durch die Linse fällt. Beim Auge trifft es die Netzhaut, bei der Kamera den Sensor. Wenn draußen die Sonne strahlt, kneifen wir die Augen zusammen. Da eine Kamera nicht blinzeln kann, werden hier andere Funktionen genutzt. Welche das sind erfährst Du in diesem Artikel.

Das Licht geht durch eine Öffnung (Objektiv) durch eine Blende (1). Diese Blende ist so gestaltet, dass sie mal größer und mal kleiner sein kann, das kann der Fotograf selbst bestimmen. Der Verschluss (2) lässt für eine bestimmte Zeit das Licht auf den (3) Sensor fallen. Der Sensor wiederum kann so eingestellt werden, dass er mal besser und mal schlechter ’sieht‘.

Alle drei Variablen sind einstellbar, je nach dem was der Fotograf beabsichtigt zu tun. Das ist einerseits sehr hilfreich, kann aber, gerade am Beginn etwas verwirrend sein. Schauen wir uns deshalb mal die einzelnen Elemente genauer an.

Blende

Blendenstufen: Je niedriger der Blendenwert um so weiter ist die Blende geöffnet – je höher der Blendenwert um so kleiner ist die Blendenöffnung.

Die Blende ist in der Regel fest im Objektiv verbaut. Ältere Objektive haben noch einen Blendenring, an dem man drehen kann, um damit die Blende einzustellen. Mittlerweile wird die Blende oft über die Kamera eingestellt. Aber egal wo gedreht wird, ob an der Kamera oder am Objektiv, oder evtl. auch gar nicht, weil der Fotoapparat das automatisch macht, eine Blende ist immer mit im Spiel. Die Blende ist eine kreisrunde Öffnung, die, je größer sie ist, um so mehr Licht durchlässt. Je weiter man eine Blende schließt, je kleiner also die Öffnung ist, um so weniger Licht kommt durch.

Die Größe der Blendenöffnung wird mit einer Zahl beschrieben. Wie diese genau zu Stande kommen, erkläre ich in einem anderen Artikel. Am Anfang sind die Zahlen etwas verwirrend, weil scheinbar willkürlich gewählt, dem ist aber nicht so. Für den Moment reicht es, wenn wir uns merken, dass eine kleine Blendenzahl (z.B. f2.8) bedeutet, dass die Blende sehr weit offen ist. Eine große Blendenzahl (z.B. f22) bedeutet, dass die Öffnung sehr klein ist. Das „f“ steht für den englischen Begriff „Focal Length“ – was hier an dieser Stelle auch noch keinen Sinn macht. Wie gesagt, das wird ein eigener Artikel werden. Wir merken uns jetzt nur mal, dass hiermit die Blendenöffnung gemeint ist.

Belichtungszeit

Die Zeit ist eine wichtige Größe bei der Fotografie. Ich meine damit nicht den richtigen Zeitpunkt, wann ich ein Foto schieße, der ist auch wichtig, ich spreche davon wieviel Zeit ich dem Licht gebe, um auf meinen Sensor zu scheinen.

Die Belichtungszeit wird in der Kamera mit dem Verschluss geregelt. Beim Auslösen der Kamera wird dieser geöffnet und nach einer vorher festgelegten Zeit automatisch wieder geschlossen. Wenn man sich den Sensor wie ein Glas vorstellt der das Licht aufsammelt, dann ist die Belichtungszeit die Dauer, in der Licht in das Glas tropfen kann. Vorausgesetzt das Licht ‚tropft‘ immer gleich schnell, dann sammelt man bei einer längeren Belichtungszeit mehr Licht als bei einer kurzen Belichtungszeit.

Zusammenspiel von Belichtung und Blende

Wirklich spannend wird es, wenn man Blende und Zeit zusammenbringt. Das eine bedingt das andere. Um nochmal das Beispiel mit dem Glas zu nehmen, so kann man sich gut vorstellen dass eine bestimmte Menge Licht durch eine große Blendenöffnung schnell durchtropfen kann. Ist die Blendenöffnung klein, so braucht die selbe Menge an Licht deutlich mehr Zeit.

Die Blendenzahlen, wie auch die Verschlusszeit beschreiben jeweils einen Blendenstufe.

Die Blendenreihe ist so angelegt, dass die durch das Objektiv fallende Lichtmenge sich von Blendenstufe zu Blendenstufe
… halbiert, wenn die nächste Blendenstufe einen höheren Wert hat (beispielsweise 11 → 16) oder
… verdoppelt, wenn die nächste Blendenstufe einen kleineren Wert hat (beispielsweise 11 → 8).

Nehmen wir an, dass die Belichtung perfekt ist, wenn Blende 4 gewählt ist, bei einer Zeit von 1/125 Sekunde.
Wenn die Blende weiter geschlossen wird auf f5,6, die Zeit aber gleich bleibt, bedeutet das, dass das Bild zu dunkel wird. Die Blendenöffnung wurde verkleinert, die Zeit ist aber gleich geblieben, da kommt jetzt nicht genug Licht an.
Wenn ich jetzt aber die Zeit von 1/125s auf 1/60s verlängere dann passt wieder alles, das Verhältnis von Zeit und Blende ist wieder gewahrt.

Genau so kann ich selbstverständlich auch in die andere Richtung verfahren. Wenn ich eine schnellere Zeit brauche und diese an der Kamera verändere, dann muss ich auch dafür sorgen, dass die Blende weiter geöffnet wird.

Empfindlichkeit (ISO)

Es gibt noch einen dritten Faktor, der für die Belichtung entscheidend ist, die Empfindlichkeit des Sensors.

In der Analogfotografie musste sich der Fotograf überlegen, welchen Film er einsetzen wollte. War das Wetter bewölkt kam oft ein 400-Film in die Kamera, war das Wetter sonnig, reichte ein 100-Film. Hatte man sich einmal für eine Filmempfindlichkeit entschieden, dann musste man damit auch seine 36 Fotos schießen.

Dank der digitalen Kameras kann ich mir jetzt bei jedem Foto überlegen, welche Empfindlichkeit mein Sensor haben soll.

ISO Wert: Je kleiner der ISO Wert ist, umso mehr Licht benötigt der Sensor. Wird der Wert erhöht steigt die Empfindlichkeit, aber der Dynamikumfang sinkt und es kommt zu einem stärkeren Bildrauschen.

Ein niedriger ISO Wert bedeutet, dass der Sensor mehr Licht benötigt. Eine hohe ISO Zahl bedeutet, dass für ein Foto weniger Licht benötigt wird, die Empfindlichkeit steigt. Das Menschliche Auge macht das übrigens auch. Wenn wir aus dem hellen Tageslicht in die dunkle Wohnung kommen, braucht das Auge kurz, um sich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen – es wird quasi ein neuer ISO Wert eingestellt.

Ich wage hier mal einen Spoileralarm, die Bildqualität ist umso höher, je niedriger der ISO Wert ist. Abhängig von der verwendeten Kamera wird das Bild bei hohen ISO Werten immer körniger und der Dynamikumfang nimmt ab. Es ist daher meist das Zeil mit möglichst geringen ISO Werten zu arbeiten.

Belichtungszeit – Blende – ISO

Bis hierher haben wir gelernt, dass es drei Parameter gibt, die Einfluss auf ein Foto haben. Jeder dieser Parameter lässt sich einzeln verändern, hat aber immer Einfluss auf die anderen beiden Einstellungen. Nur wenn alle drei Faktoren korrekt eingestellt sind, gelingt eine optimale Belichtung. Die nachfolgende Grafik zeigt noch mal das Zusammenspiel von Blende, Zeit und ISO.

Blende, Zeit und ISO-Wert sind von einander abhängig. Wird ein Wert verändert, muss mindestens ein weiterer Wert korrigiert werden.

Wann Du beim Fotografieren welche Zeit oder Blende verwendest, hängt davon ab was Du erreichen willst. Sowohl die Zeit wie auch die Blende können für die Bildgestaltung verwendet werden. Ich gehe auf das Thema in einem eigenen Artikel ein.

Übung:

Schnapp Dir deine Kamera, am besten mit einem Stativ und such Dir ein beliebiges Motiv aus.

  1. Stelle die Kamera auf manuelle Bedienung (M)
  2. Deaktiviere die ISO Automatik – wähle stattdessen einen eigenen Wert, z.B. ISO 200
  3. Stelle die Blende auf f/8 und mache ein Foto
  4. Ist das Bild zu hell oder zu dunkel? Dann korrigiere die Zeit, bis die Belichtung stimmt.
  5. Stelle den ISO Wert auf 1600 und mach ein weiteres Bild
  6. Korrigiere den Blendenwert, bis das Motiv wieder korrekt belichtet ist.
  7. Mach diese Übung so oft wie es geht in verschiedenen Lichtsituationen. Achte dabei immer darauf, dass die Kamera auf manuelle Bedienung gestellt ist und die ISO-Automatik abgeschaltet ist.

Ziel der Übung ist es nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, wie Du die Werte verändern musst, sondern dass Du intuitiv weißt an welchen Reglern Du drehen kannst, um die Belichtung zu korrigieren.